Herzdiagnostik (Myocardszintigraphie)

Screenshot-Myokard-Szintigraphie-01Die Myocardszintigraphie untersucht die Durchblutung des Herzmuskels in Ruhe und unter Belastung. Hierdurch können die Auswirkungen von Verengungen der Herzkranzgefäße (Koronararterien) auf die Durchblutung des Herzmuskels beurteilt werden. Die Myocardszintigraphie ist eine nicht belastende und schonende Untersuchungsmethode (Herzkatheter kommen hierbei nicht zum Einsatz).



 

 

Weitere Bezeichnungen: Herzszintigraphie

Verwendetes Radionuklid: Tc-99m-MIBI (2-Methoxyisobutyl-isonitril)

 

Was ist eine Myocardszintigraphie?

Die Myocardszintigraphie ist eine nuklearmedizinische Untersuchung des Herzmuskels. Hierdurch werden unter Belastung und in Ruhe die Durchblutungsverhältnisse des Herzmuskels (insbesondere die der linken Herzkammer) untersucht. Es können die Auswirkungen von Durchblutungsstörungen auf den Herzmuskel bewertet werden, die in der Regel auf Verengungen der Herzkranzgefäße beruhen. Eine nicht ausreichende Durchblutung des Herzmuskels kann zum häufig auch tödlichen Herzinfarkt führen.

Die Myocardszintigraphie ersetzt nicht die invasive Herzkatheteruntersuchung, stellt jedoch in Abhängigkeit des Befundes eine häufige Indikation zur Durchführung dieser Untersuchung dar oder ergänzt sie.

 

Wie wird die Untersuchung durchgeführt?

Die Untersuchung wird meist wie bei einem Belastungs - EKG auf einem Fahrrad – Ergometer durchgeführt. Auf der höchsten Belastungsstufe (d.h. die höchste für Sie als Patient mögliche Belastung), wird eine gering strahlende, radioaktiv markierte Substanz in eine Armvene gespritzt, die sich anschließend mit dem Blutfluss im Herzmuskel anreichert. Nach einer Stunde Pause werden dann spezielle Szintigramme mit einer Gamma-Kamera aufgenommen. Diese Bilder zeigen jetzt, wie viel Blut in den einzelnen Arealen des Herzmuskels angekommen ist. Die Gamma-Kamera mit 2 rotierenden Aufnahme-Köpfen benötigt etwa 30 Minuten für diesen Untersuchungsschritt. In der Regel werden am gleichen Tag - nach einer weiteren radioaktiven Injektion - die Aufnahmen unter Ruhebedingungen wiederholt. Es entstehen dreidimensionale Bilder des Herzmuskels (sogenannte SPECT – Technik), wodurch eine genaue Beurteilung der Durchblutung in den einzelnen Herzmuskelarealen ermöglicht wird. Durch die Koppelung mit einem EKG kann die Herzfunktion bzw. Belastbarkeit beurteilt werden. In Ausnahmefällen kann diese Belastung auch durch ein spezielles Medikament nachgeahmt werden, das Sie zuvor in eine Vene gespritzt bekommen haben.


Was ist vor, während und nach der Untersuchung zu beachten?

Zu der Untersuchung müssen Sie nüchtern sein (12 Stunden), bitte auch keinen Kaffee oder Cola trinken. Kohlensäure armes Mineralwasser ist erlaubt. Diabetiker dürfen eine kleine Mahlzeit ohne Fett, z.B. Toast, zu sich nehmen.
Herzmedikamente dürfen 24 Stunden vorher nicht eingenommen werden, Betablocker besser 2 – 3 Tage nicht (ggf. Rücksprache mit Ihrem  Hausarzt). Bitte bringen Sie die Herzmedikamente mit. Sie müssen sie evtl. vor den Ruheaufnahmen einnehmen.
Zwischen der Belastungs- und der Ruheaufnahme dürfen Sie die Praxis verlassen, sollten sich allerdings nicht anstrengen und die Zeit entspannt verbringen.


Wie lange dauert die Untersuchung?

Wenn die Belastungs- und die Ruhe-Untersuchung an einem Tag durchgeführt wird,  dauert sie von morgens bis zum Nachmittag. Eine Bescheinigung für den Arbeitgeber können wir ausstellen.
In Ausnahmefällen werden wir die beiden Untersuchung an verschiedenen Tagen machen. Dann müssen Sie sich jeweils etwa 4 Stunden freihalten.

 

Was müssen Sie mitbringen? Was ist zu beachten?

Für die Untersuchung bitten wir Sie mitzubringen:

  • Versichertenkarte
  • Überweisung mit der Fragestellung
  • Vorbefunde über bereits erfolgte Untersuchungen und Behandlungen sowie Arztbriefe über bereits bekannte Erkrankungen
  • das aktuelle Belastungs-EKG, ggf. nur den Befund
  • Medikamente bzw. Medikamentenplan
  • Bequeme Kleidung und Schuhe (z.B. Jogginghose)
  • Für die Damen einen festen BH
  • Handtuch
  • Ggf. Kleidung zum Wechseln
  • 2 fetthaltige Mahlzeiten (, z.B. Ei- Butter-, Wurst- oder Käsebrot, Schokolade, Kakao)

 

Welche Angaben sind für uns wichtig, um die Untersuchung gut planen und beurteilen zu können?

Vor Planung bzw. Durchführung der Untersuchung ist es für uns wichtig zu wissen, welche Frage der überweisende Arzt von uns beantwortet haben möchte. Die Aussagekraft unserer Untersuchung ist dann um so besser, je mehr Informationen Sie uns über Ihre Beschwerden und Vorerkrankungen geben können.

 

Bitte bereiten Sie sich auf folgende Fragen vor:

  • Haben Sie Herzbeschwerden? Welche? Wann?
  • Hatten Sie bereits einen Herzinfarkt? Wann? Welche Behandlung? Arztbrief darüber vorhanden?
  • Ist bei Ihnen ein Herzklappenfehler bekannt? (Aortenklappenstenose)?
  • Wurden schon einmal spezielle Herzuntersuchungen durchgeführt, z.B. Herzkatheter, oder eingreifende Behandlungen (OP, Dilatation, STENT)?
  • Sind Vorerkrankungen des Herzkreislaufsystems in der Familie bekannt?
  • Rauchen Sie oder haben Sie geraucht?
  • Haben Sie erhöte Blutfettwerte und / oder erhöhte Cholesterinwerte (bitte Laborwerte mitbringen, falls vorhanden)?
  • Welche Medikamente nehmen Sie regelmäßig (insbesondere Herz- und Blutdruckmedikamente)?
  • Gibt es Vorbefunde über eine Herzuntersuchung (z.B. Belastungs-EKG)? Bitte mitbringen.

Welche Fragen können durch eine Myocard-Szintigraphie beantwortet werden?

Mit Hilfe der Szintigramme kann man erkennen, wie viel Blut in Ruhe und unter Belastung im Herzmuskel ankommt. Durch den Vergleich der Ruheaufnahmen mit den Belastungsaufnahmen kann man feststellen, ob einzelne Regionen der Herzens insbesondere unter Belastung schlechter durchblutet sind als andere Regionen.HerzNeu2 Dies ist dann ein Hinweis darauf, dass ein Herzkranzgefäß verengt ist (dadurch verminderte Durchblutung) und damit auch das Risiko für einen Herzinfarkt erhöht ist. Nach einem Herzinfarkt kann man sehen, wie groß und ausgedehnt die Narbe (funktionsloses, nicht mehr durchblutetes Herzmuskelgewebe) ist, die der Infarkt hinterlassen hat, oder ob noch eine minimale Restdurchblutung im Infarktgebiet vorhanden ist. Die Beantwortung dieser Frage entscheidet, ob eine operative Behandlung sinnvoll sein könnte ( z.B. eine Bypass-Op oder ein STENT).

Darüber hinaus können Aussagen über die Pumpfunktion des Herzmuskels gemacht werden und damit auch über Ihre körperliche Belastbarkeit (z.B. ist nach einem Herzinfarkt die Pumpfunktion nicht mehr so gut, wie bei gesundem und ausreichend durchbluteten Gewebe).


Risiken und Nebenwirkungen / Strahlenexposition

Durch das radioaktive Mittel entsteht nur eine sehr geringe Strahlenbelastung, die in der gleichen Größenordnung liegt, wie bei normalen Röntgenuntersuchungen. Ihre behandelnden Ärzte und wir wägen sorgfältig ab, welche Untersuchungsmethode im Einzelfall für Sie am sinnvollsten und am wenigsten belastend ist.

Nebenwirkungen wie Allergien auf die radioaktive Substanz sind äußerst selten, anders als bei Röntgenkontrastmittel.

Auch durch die Fahrradbelastung an sich sind nur selten Komplikationen zu erwarten, selbst bei herzkranken Patienten. Wichtig für die Aussagefähigkeit des  Ergebnisses der Untersuchung ist, dass Sie die höchste Belastungsstufe erreichen, die für Sie möglich ist. Nur bei einer von 10.000 bis 20.000 Untersuchungen ist mit dem Auftreten von behandlungsbedürftigen Herzrythmusstörungen oder einem Infarkt (1 : 40.000) zu rechnen.

Sollte eine Belastung mit dem Fahrradergometer bei Ihnen nicht möglich sein - z.B. bei orthopädischen Erkrankungen -  so kann die Belastung auch durch ein spezielles Medikament erreicht werden, das in die Vene am Arm gespritzt wird. Diese Medikamente sind in ihrer Wirkung gut zu steuern. Nebenwirkungen wie Schwindel, Herzrasen, Schmerzen im Brustbereich und Luftknappheit sind selten. Durch ein Gegenmittel (hebt die Belastungswirkung des voran gespritzten Medikaments auf), das unmittelbar nach der Belastung gespritzt wird, verschwinden diese Nebenwirkungen in der Regel sofort.

Während der Belastung werden Sie wie beim Belastungs-EKG überwacht. Eine Notfallausrüstung ist natürlich vorhanden.


Wann darf die Untersuchung nicht durchgeführt werden (Kontraindikationen)?

  • Schwangerschaft und Stillzeit (bis auf seltene Ausnahmefälle)
  • Schwere Organerkrankungen, die eine Belastung des Herzkreislaufsystems nicht zulassen
  • Allgemeininfektion mit Fieber
  • Akuter Herzinfarkt bzw. hochgradige Herzschwäche (Herzinsuffizienz)
  • Nicht beherrschbarer Bluthochdruck
  • Schwere Herzklappenfehler (insbesondere Aortenklappenstenose) und Herzrhythmusstörungen
  • Akute Herzmuskelentzündung (Myocarditis)

 

Wer bezahlt die Untersuchung?

Die Herzszintigraphie (Myocardszintigraphie) ist eine Regelleistung von allen gesetzlichen und privaten Krankenkassen.

 

Downloads:

Eine Patienteninformation können Sie hier herunterladen.